Luftige Leidenschaft: Skisprungnachwuchs aus dem Allgäu

Luftige Leidenschaft: Skisprungnachwuchs aus dem Allgäu

Ein kurzer Blick nach unten genügt, um zu wissen, dass das hier oben nichts für schwache Nerven ist. Über 100 Meter hoch, knapp 100 Meter lang, dazu ein Neigungswinkel von über 30° – Willkommen auf der Schattenbergschanze in Oberstdorf! Ganz in der Nähe treffe ich Agnes Reisch, Skispringerin des WSV Isny, und erfahre in einem Gespräch mehr von ihrer sportlichen Leidenschaft, ihrem Werdegang und ihrer Heimat im Allgäu. Eins ist gewiss: da will eine ganz hoch hinaus! 😊

 

Magst du dich uns kurz vorstellen?

Mein Name ist Agnes Reisch und ich komme aus Missen-Wilhams. Bis 2014 bin ich in die Realschule Maria Stern in Immenstadt gegangen. Im September 2014 wechselte ich dann auf das Skiinternat in Oberstdorf, da ich dort die Möglichkeit hatte, Schule und Sport besser unter einen Hut zu bringen. Anschließend habe ich die Realschule Sonthofen besucht, bevor ich auf meine jetzige Schule wechselte, die Fachoberschule in Sonthofen.

 

Wann hast du mit dem Skispringen begonnen?

Ich springe nun schon seit 2008 für den WSV Isny.

Skispringen ist ja – verglichen mit z.B. Fußball – nicht unbedingt die Sportart, die jeder zweite Jugendliche ausübt. Wie bist du überhaupt dazu gekommen?

Mein aktueller Verein hat damals in den Grundschulen einen Schnupperkurs angeboten, wo ich natürlich ebenfalls teilgenommen habe. Es hat mir von Beginn an einfach so viel Spaß gemacht, sodass ich mit dem Springen beim WSV Isny begonnen habe.

War’s also schon immer eine Leidenschaft für dich?

Auf jeden Fall. Sport, insbesondere auch der Wintersport, spielte in meinem Leben stets eine große Rolle. Mit 1,5 Jahren watschelte ich schon auf meinen ersten Skiern. Im Winter war ich jedes Wochenende auf Langlauf- oder Alpinskiern unterwegs. Im Sommer spielte ich Fußball, ging Schwimmen und Inlinern, Wandern… Ich wollte bei allem, was meine vier älteren Geschwister gemacht haben, dabei sein. Dass ich letztendlich beim Skispringen gelandet bin, hätte ich damals wohl selbst nicht gedacht. Jedenfalls ist es für mich ein ganz besonderer Sport, das Fliegen hat mich einfach gepackt und lässt mich wahrscheinlich auch nie mehr los. (grinst)

Wie sieht die nächste Zeit wettkampftechnisch bei dir aus?

Mein Ziel ist ganz klar Olympia. Auch wenn meine Chancen besser stehen könnten, werde ich trotzdem alles dafür geben. Sollte es am Ende nicht reichen, dann habe ich immerhin in vier Jahren nochmal eine Möglichkeit. Ich bin ja noch jung. (lacht)

Es finden außerdem auch noch die Juniorenweltmeisterschaften in Kandersteg in der Schweiz statt. Und dann hoffe ich natürlich noch, dass ich ein paar Gelegenheiten bekomme, um im Weltcup zu starten.

Was sind deine bisher größten Erfolge?

Bei den Youth Olympic Games 2015/2016 landete ich im Einzel auf Platz 4, im Mixed auf Platz 2 und im Nordic-Mixed auf Platz 3.

Mein erstes Teamgold holten wir 2016/2017 im Rahmen der Juniorenweltmeisterschaft. Im Mixed-Team holten wir die Silbermedaille, im Einzelwettkampf wurde ich Fünfte.

Wie lautet dein Schlüssel zum Erfolg?

Ganz einfach Spaß haben bei den Dingen, die man macht!

Was treibt dich in sportlicher Hinsicht immer weiter an?

Ich glaube das Wichtigste ist, dass man die Herausforderungen annimmt, die sich einem bieten. Nur so kann man das scheinbar Unmögliche möglich machen.

Als Sportler muss man ja hin und wieder auch Niederlagen einstecken. Wie gehst du damit um?

Klar, das ist ganz normal und sicherlich jedem schon mal widerfahren. Ich persönlich suche immer das Positive. Im Endeffekt ist es doch immer auch eine Erfahrung. Und negative Ereignisse gehören eben genauso dazu wie die positiven. Also abhaken, daraus lernen und das nächste Mal besser machen.

Wenn du das Gefühl während des Fluges in drei Wörtern beschreiben müsstest, welche wären es?

Nervenkitzel. Schwerelos. Traumhaft.

Wie ist das Klima unter euch Skispringerinnen?

Das Klima ist insgesamt ganz gut. Klar versteht man sich mit bestimmten Personen besser als mit anderen, aber im Großen und Ganzen ist die Stimmung bei uns sehr gut. Natürlich spürt man vor einem wichtigen Start beispielsweise einen gewissen Druck. Trotzdem konzentriere ich mich auf mich selbst und gebe immer mein Bestes. Dann brauche ich letzten Endes kein schlechtes Gewissen haben. Ich persönlich trenne Privates und Sportliches auch ganz klar.

Wer ist dein Vorbild?

Mein absolutes Vorbild ist Bethany Hamilton. Sie ist Surferin und wurde beim Surfen von einem Hai gebissen. Dabei hat sie ihren Arm verloren. Was ihr jedoch niemals abhanden gekommen ist, ist ihr Kampfgeist und das bewundere ich an ihr. Obwohl niemand dachte, dass sie jemals wieder surfen könnte, steht sie heute wieder auf dem Brett.

Was wünschst du dir für die Zukunft des Deutschen Skisprungverbandes?

Ich wünsche mir, dass Kinder Spaß am Sport haben und das machen, was sie lieben.

Was bedeutet Heimat für dich?

Heimat bedeutet für mich sehr viel. Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch und erhole mich gerne in den Bergen. Wenn ich an Heimat denke, dann denke ich an die regionalen und frischen Lebensmittel hier im Allgäu, an meine Familie und natürlich an die Brauchtümer hier (z.B. den Viehscheid oder das Schuhplatteln). Besonders stark spüre ich das Gefühl der Heimatverbundenheit, wenn ich von einer Reise zurückkehre und die Freude auf Familie, Berge und das Drumherum ins Unermessliche steigen.

Veronika Leikam

Redakteurin/ Webmaster bei Heimat Bayern
Veronika ist das Gesicht hinter heimatbayern.de. Während ihres Bachelorstudiums in Französisch und Volkswirtschaftslehre verbrachte sie ein halbes Jahr in Frankreich. Reisen, neue Länder und Kulturen haben es ihr schon immer angetan. Und dennoch fühlt sie sich daheim in Bayern doch am wohlsten. Tradition, Volksmusik und nicht zuletzt die Natur machen ihre Heimat Bayern für sie zum schönsten Bundesland.

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