Wandertour von Hinterstein über das Rauhhorn zum Schrecksee

Wandertour von Hinterstein über das Rauhhorn zum Schrecksee

Wir sitzen am Küchentisch. Die ramponierte Wanderkarte nimmt schon gut die Hälfte der Tischfläche ein. Ein Glück, dass unsere Suppenteller gerade noch so darauf passen. Vor uns machen sich die Allgäuer Alpen gefühlt in ihrem vollem Ausmaß breit. Und überfordern uns auf den ersten Blick zugegebenermaßen ein bisschen…

Dabei haben wir doch nur drei Anforderungen an unsere Wandertour: aussichtsreich, ein paar Höhenmeter und nicht länger als 10 Stunden. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, wir hätten die Karte anschließend penibel genau studiert und uns nach reiflichen Überlegungen bewusst für die Wanderung von Hinterstein über das Rauhhorn zum Schrecksee entschieden. In Wahrheit hat uns chronische Unlust auf langwierige Suchaktionen, vor allen Dingen aber die Suppe neben uns davon überzeugt, einfach mal spontan zu sein. Wer plant schon seine Bergtour bis ins kleinste Detail?! 🙂 Immerhin waren wir uns über Ziel und Start im Klaren und das kurze alpine Intermezzo werden wir schon irgendwie meistern. Soll ja manchmal gar nicht so schlecht sein, wenn man nicht ganz genau weiß, was einen erwartet.

Am nächsten Morgen starten wir vom Parkplatz in Hinterstein und folgen dem sehr gut beschilderten Weg zur Willersalpe. Nach gut einer Stunde haben wir uns die erste Pause verdient und gönnen uns erstmal ein klassisches Bergsteigerfrühstück, umringt von den Felswänden unterhalb des Gaisecks. Spätestens jetzt hat sich das frühe Aufstehen schon mal gelohnt.

Weiter geht’s in Richtung Vordere Schafwanne. Dort angekommen sind wir mit unserer Tourenwahl eigentlich ganz zufrieden. Als wir uns die Wegbeschreibung in meiner Wanderapp (zum ersten Mal!) ein bisschen genauer durchlesen, fällt die Wanderfreude kurzzeitig. Man müsse eine drei Meter hohe Rinne nach oben kraxeln. Und das sei nur ein Vorbote, denn dann ginge die Kletterei erst so richtig los. Alternativ könne man von dort direkt zum Vilsalpsee absteigen.

Wir wollen aber zum Schrecksee. Der wurde ziemlich gehyped und gilt überhaupt als einer der schönsten Bergseen im Allgäu. Also was soll’s!? Wir nehmen das Ganze erstmal sportlich und so ganz genau wissen wir ja immer noch nicht, auf was wir uns da einlassen…

Der Weg zum Gipfel des Rauhhorns verläuft erst einmal ganz kommod und auch die besagte Rinne meistern wir ganz gut. Und irgendwie finden wir’s sogar ziemlich spannend diese ganze Kraxlerei. Ein paar Schritte weiter trennt uns noch ein – im wahrsten Sinne des Wortes – ziemlich harter Brocken vom Gipfelglück. Eine Stufe im Überhang und eine kurze, mit Stahlseilen befestigte Passage später sind wir dann aber on top. Und da bringt uns erstmal keiner so schnell weg. Denn der Blick über die teils schneebedeckten Allgäuer Alpen und Tannheimer Berge ist fantastisch, von übermäßigem Wandererandrang keine Spur. Man kann’s also durchaus aushalten da oben und der Aufstieg hat sich gelohnt.

Da muss der Schrecksee jetzt so einiges bieten, um diese Fernsicht überbieten zu können. Aber eine Chance geben wir ihm auf alle Fälle. 🙂 Der Abstieg auf 250 Höhenmetern ist nicht weiter anspruchsvoll, wenn man sich an den ausgesetzten Stellen gut konzentriert und insgesamt schwindelfrei und trittsicher ist. Von weitem zeigt sich dann auch schon der Schrecksee. Unschwer zu erkennen liegt er eingebettet in sattem Grün inmitten einer traumhaften Bergkulisse. Wir entscheiden uns für einen kurzen Powernap am Bergsee, bevor wir die letzten Stunden talabwärts antreten.. Macht man schließlich auch nicht alle Tage.

Zurück in Hinterstein knurren unsere Mägen, wir sind müde und relativ erschöpft, vielleicht sogar ein bisschen wortkarg. Die 10-Stunden-Wanderung geht eben doch nicht so ganz spurlos an uns vorbei. Definitiv in Erinnerung bleiben aber wunderbare Gipfelaussichten, neue Erfahrungen sowie Lust und Neugierde auf weitere Kraxelerfahrungen im nächsten Frühjahr und Sommer.

Veronika Leikam

Redakteurin/ Webmaster bei Heimat Bayern
Veronika ist das Gesicht hinter heimatbayern.de. Während ihres Bachelorstudiums in Französisch und Volkswirtschaftslehre verbrachte sie ein halbes Jahr in Frankreich. Reisen, neue Länder und Kulturen haben es ihr schon immer angetan. Und dennoch fühlt sie sich daheim in Bayern doch am wohlsten. Tradition, Volksmusik und nicht zuletzt die Natur machen ihre Heimat Bayern für sie zum schönsten Bundesland.

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