Weihnachtsbräuche: von Kirschblüten und Kramperltratzen

Weihnachtsbräuche: von Kirschblüten und Kramperltratzen

Die stade Zeit ist bei den meisten von uns gar nicht mal so besinnlich, wie wir das gerne hätten. Eine Weihnachtsfeier jagt die nächste, die Adventslieder im Radio können häufig nicht gerade als Ohrenschmaus bezeichnet werden und tragen in den seltensten Fällen positiv zur vorweihnachtlichen Einstimmung bei. Spätestens im November geben Discounter und Shops den offiziellen Startschuss zum kollektiv-adventlichen Kaufrausch. Besinnlichkeit und Ruhe bleiben da in den häufigsten Fällen auf der Strecke. Dabei wünschen sich viele eigentlich nur eins: Weihnachten wie es früher war! Höchste Zeit also, um die alten Weihnachtsbräuche und Traditionen im Bayerischen Oberland wieder aufleben zu lassen.

Blütenzweige zum Gedenktag der Heiligen Barbara

Wann genau beginnt eigentlich die Zeit der Weihnachtsbräuche? Für viele wahrscheinlich mit dem ersten Türchen des Adventskalenders. Das ist zwar irgendwie auch eine Art Brauch, aber so wirklich traditionell ist dieses Ritual dann doch nicht.

Aus traditioneller Sicht beginnt die Weihnachtszeit am 4. Dezember, dem Gedenktag der Heiligen Barbara. Der ist mir zumindest von Kindheitstagen noch in Erinnerung. Da hat meine Oma schon Tage im Voraus fleißig Zweige vom Kirsch- oder Schlehenbaum gesammelt und gezwickt, um sie dann pünktlich am Gedenktag erst einmal in ein unbeheiztes Zimmer zu stellen. Am Folgetag wurden sie umquartiert in einen warmen Raum und dort bis zum Heiligen Abend täglich liebevoll bewässert und zugeschnitten. Am 24. Dezember sollten sie dann aufblühen. Während meine Familie und ich – meine Oma ausgenommen – anfangs immer relativ skeptisch waren was diese Art Deadline anging, so haben wir doch immer drei Wochen lang eifrig mitgefiebert. Und meistens hat’s geklappt und neben unsere grüne Weihnachtstanne gesellten sich Omas rosarote Kirschblütenzweige zu Ehren der Heiligen Barbara. Und das Ende Dezember. 🙂

„Kramperltratzen“ – ein alter Oberbayerischer Brauch

Das Kramperltratzen besitzt nicht nur in Tirol eine lange Tradition. Die sogenannten Kramperl machen sich in der Vorweihnachtszeit in Teilen Oberbayerns auf, um Kindern und Jugendlichen ordentlich Angst und Schrecken einzujagen. Ganz kampflos wollen die sich ihrem Schicksal – oder besser gesagt der Kramperlrute – aber nicht ergeben. Und so drehen sie den Spieß kurzerhand einfach um: Am 05. Dezember treten die kleinen Dorfbewohner den finsteren Gestalten mutig entgegen. Aus Gejagten werden praktisch Jäger. Wer dabei als Sieger oder Verlierer hervorgeht, entscheidet sich in den jeweiligen Oberbayerischen Ortschaften wohl jedes Jahr aufs Neue…

Heiliger Nikolaus und sein unliebsamer Begleiter

Spätestens einen Tag darauf, am 6. Dezember dürfte die Aufmüpfigkeit der Kleinen dann nahezu vollständig verflogen sein. Immerhin holen sich die wenigsten von ihnen freiwillig einen Klaps vom Krampus ab. Vielmehr liebäugeln sie mit den Sackerl und Packerl vom Heiligen Nikolaus. Daher gilt es, nochmal besonders artig zu sein, um auf der Nikolaus’schen Sympathieskala noch ein paar Stufen hochzuklettern. Getreu der bayerischen Lebensart „Nix g’sagt is g’globt gnua“ verteilt dieser am besagten Abend dann kleine Geschenke für alle braven Kinder, alle Ungehorsamen und Sturköpfe gehen leer aus oder müssen erst einmal mit dem wüsten Begleiter des Heiligen Nikolauses Vorlieb nehmen. Tipp für den nächsten Nikolausabend: Schon jetzt mit dem Karma-Sammeln anfangen… 🙂

„Anklöpfeln“ in der Alpenregion

Während früher in der Vorweihnachtszeit in der Regel eher arme Leute an den Türen der Dorfbewohner geklopft haben, um Speis und Trank für Heilig Abend und die Festtage zu erbitten, sind es heute vor allem Kinder, die von Haus zu Haus marschieren und den Bewohnern ihre Klöpfellieder gegen Süßigkeiten vortragen. Ursprünglich symbolisiert die Weihnachtstradition des Anklöpfelns die Herbergssuche und war insbesondere in der Alpenregion präsent.

In Anlehnung an das „Klöpfeln“ entstand übrigens auch die Sternsinger-Tradition. Am 6. Januar machen sich in Bayern jedes Jahr zahlreiche Ministranten auf den Weg, um im Auftrag der katholischen Kirche Spenden für hilfsbedürftige Mitmenschen zu sammeln. In Gestalt der Heiligen Drei Könige ziehen sie dann von Haus zu Haus und hinterlassen dabei ihre Botschaft („Christus segne dieses Haus“) an Jedermanns Tür.

Raunächte – duftende Räume und sprechende Tiere

Zu den besonders altertümlichen Weihnachtsbräuchen zählt das Räuchern in der Zeit vom 25. Dezember bis zum 6. Januar. Man nehme dafür eine Pfanne mit glühenden Kohlen, dazu eine Prise Weihrauch, ein paar Blätter Salbei oder Wacholder und gehe damit nachts einmal quer durch Haus und Stall. Zumindest haben das schon unsere Vorfahren so praktiziert. Was am Ende bleibt ist der wunderbare Geruch von Kräutern, Blüten und Harzen. Hinter dem mystisch anmutenden Brauch verbirgt sich tatsächlich ein uraltes bayerisches Reinigungsritual. Mit dieser aromatischen Säuberungsaktion von Haus und Hof sollen den Bewohnern die Lasten und Probleme des letzten Jahres genommen werden. Detox pur quasi! 🙂 In Zusammenhang mit den Raunächten steht außerdem die Überzeugung, dass die Tiere im Stall nachts zu sprechen beginnen und so menschliche Züge annehmen. Für alle, die sich genauer mit der Tradition der Raunächte beschäftigen wollen, lohnt sich beispielsweise eine Raunachtführung bei der Stadtmaus in Regensburg.

Mariä Lichtmess – das Ende der Weihnachtszeit

Wenn am 6. Dezember Casper, Melchior und Balthasar ihren Segen in die Häuser getragen haben, der Christbaum langsam seine Nadeln verliert und der Weihnachtsschmuck zurück in die Kartons verfrachtet wird, haben die meisten von uns schon mit der Weihnachtszeit abgeschlossen. Dabei dauert sie offiziell bis zum 2. Februar. Da findet nämlich Mariä Lichtmess statt, der kirchliche Festtag im Zeichen der Kerzenweihen und Lichterprozessionen. Die Tage werden dann wieder länger, draußen wird es langsam wieder heller und damit steigt auch die Freude auf den Frühling zunehmend. Was aber hoffentlich auch weiterhin nachwirkt ist der Weihnachtszauber der vergangenen Wochen…

Quelle: http://www.tegernsee-schliersee.de/tradition-brauchtum/adventsbraeuche-in-der-alpenregion-tegernsee-schliersee.html

Veronika Leikam

Redakteurin/ Webmaster bei Heimat Bayern
Veronika ist das Gesicht hinter heimatbayern.de. Während ihres Bachelorstudiums in Französisch und Volkswirtschaftslehre verbrachte sie ein halbes Jahr in Frankreich. Reisen, neue Länder und Kulturen haben es ihr schon immer angetan. Und dennoch fühlt sie sich daheim in Bayern doch am wohlsten. Tradition, Volksmusik und nicht zuletzt die Natur machen ihre Heimat Bayern für sie zum schönsten Bundesland.

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